Read 1968: Worauf wir stolz sein dürfen by Gretchen Dutschke Online

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Unter den Neuerscheinungen zu 1968 wird diese Bilanz eines gesellschaftlichen Aufbruchs gleichzeitig eine der persnlichsten und eine der kritischsten sein Persnlich, weil nicht nur die Sicht der Autorin, sondern auch ihre von heutiger Warte aus bisweilen bizarren Erlebnisse zum Tragen kommen Kritisch, weil sie, obwohl so mitten im Geschehen, immer die zwar sympathisierende, aber eben auch distanzgeprgte Sicht auf eine dann doch fremde Gesellschaft behlt Auf dieser Grundlage gelingt es ihr, die bleibenden Erfolge, Errungenschaften, Botschaften der mittlerweile historischen 68er zu vermitteln, die weit ber das hinausgehen, was in der Zeit selbst im engeren Sinne politisch verhandelt wurde....

Title : 1968: Worauf wir stolz sein dürfen
Author :
Rating :
ISBN : B078JPDSCC
ISBN13 : -
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : kursbuch.edition Auflage 1 1 M rz 2018
Number of Pages : 281 Pages
File Size : 677 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

1968: Worauf wir stolz sein dürfen Reviews

  • Martina Rheb
    2019-03-11 17:46

    ...war 1968 ein Statement der 68er Bewegung, sehr richtig übrigens, wie ich in den 50 Jahren "danach" auch in meinem Leben erfuhr.Mir ist das Buch nahe gegangen, weil es so viel vergessene Augenblicke auch meines Studiums - 1966 -1970in Münster/westf. beinhaltete und ich sie mir nochmal in Erinnerung rief...nun fand ich als Studentenkind 1946 nach der Flucht aus Pommern in Heidelberg geboren, in unserem Elternhaus nie die Spießigkeit kleinbürgerlichen "man" tut dies oder das nicht. Vielleicht lag es daran, dass mein Vater Studienkollege von Alexander Mitscherlich war und es damals bereits heftige Diskussionen über die 33-45er Jahre gab. Sicher auch, weil mein Vater oft erschüttert erzählte, wie groß der Widerstand gegen Hitler in Breslau war, der den Medizinern ständig die erschossenen jungen Adligen vor allem um den schlesischen Kreis/ Graf Moltke zum Sezieren brachte. Auch die Anfeindungen demütig zu ertragen, lernte ich früh: 1961 beim Klassenausflug nach Amsterdam in der Straßenbahnfahrt, wo wir als deutsche " Mörder" beschimpft und bespuckt wurden.Scham ist nach innen gewandter Zorn, so empfanden wir Scham über die deutschen Verbrechen, fühlten den Zorn der anderen deutlich in uns als Wut über das, was Menschen einander unbegreiflicherweise angetan hatten und das mündete bei mir in einem großen Bedürfnis " falsche Autoritäten " abzuschaffen, wo immer man ihr begegnete: in meinem Fall beschränkte sich der Protest auf Diskussionen mit Hebammen im Säuglingspflegepraktikum, die Frauen unter der Geburt anfuhren: " Hier wird nicht gestöhnt!" meine Frage, ob sie das auch zu Jackie Kennedy sagen würde, machte mich unbeliebt, das ertrug ich gerne, aber dass heute keine türkische Putzfrau mehr so angeschnauzt wird, ist für mich ein Erfolg der 68er.Als katholische Lehrerin ist für mich der Blick auf die 68er ein anderer als der von Gretchen Dutschke.Ich möchte ihr zunächst gerne meine Bewunderung für das ausdrücken, was sie geleistet hat: sie hat ihn wirklich tief geliebt und die Zeit mit ihr war ein großes Glück für ihn. Das ist ein Trost bei dem gemeinen Anschlag auf sein Leben bis hin zum viel zu frühen Ende und dafür muss ihr Dank zuteil werden. Als Theologin hat sie sicher auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen und ich glaube, schon für seinen unglaublichen Idealismus, das Gute zu wollen, ist er im Frieden.Dennoch möchte ich Manfred Spieker zu Wort kommen lassen, der in Berlin studierte und Dutschke erlebte mit der Bitte an Gretchen, ihn ernst zu nehmen, so wie ich versuchte, ihr Buch ernsthaft zu studieren:Aus seiner Rückschau als Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Uni Osnabrück lehrte, zitiert aus: "Die Tagespost" vom 5. Juli 18:Was waren die Folgen der Bewegung? Was haben sieerreicht, was nicht und was bedeutet 68 für mich?1. Nach dem Ende der Rebellion zerstreuten sich die Protagonisten in verschiedene Richtungen. Einige wählten den Weg in den errorismus und gründeten die RAF....das politische System der BDR wurde dadurch nicht bedroht....andere gründeten kommunistische Parteien, die meist maoistische Sekten blieben, blind für die Verbrechen der chinesischen Kulturrevolution....auch sie bedrohten das System nicht. Andere landeten bei den Grünen und in politischen Ämtern der damals so gehassten Republik......2. Erreicht hat die Bewegung eine nachhaltige Schädigungder Universität durch Senkung der Leistungsansprüche durch Hochschulgesetze, die die universitäre Selbstverwaltung der Drittelparität unterordneten....die gewaltsamen Methoden erinnerten viele Professoren an Methoden des NS- Studentenbundes und der SA." Die traditionelle Universität als historisch bewährte Einrichtung von europäischem Rang wurde mit erstaunlicher Bereitwilligkeit fallengelassen" ( Klaus Hildebrand).3. Erreicht hat die Bewegung auch eine generelle Schwächung der Autorität- nicht nur im Hochschulbereich- sondern auch in Schule und im Elternhaus. Autorität galt nun als Synonym für Herrschaft und Repression.....4. ...feministische Emanzipation ( führe ich nicht weiter hier)5. Nicht erreicht hat die Bewegung das angestrebte Bündnis mit der Industriearbeiterschaft. ...im Unterschied zu Frankreich, wo die Republik 1968 kurz vor einem Umsturz stand....6. sowie das wichtigste Ziel, die parlamentarische Demokratie durch eine sozialistische Räteherrschaft zu ersetzen....das politische system der BDR blieb stabil: Abgernzung gegen Nationalsozialismus und Kommunismus...Die Behauptung, erst mit der 68er bewegung habe eine ernsthajte Auseinandersetzung mit der NS- Vergangenheit bekgonnen, ist eine Legende.7. Was bedeutet 68 für mich?1968 lehrte mich, gegen den Strom zu schwimmen und die Einsamkeit und Zweifel auszuhalten, due damit verbunden sind."Ende des Zitats....dem kann ich aus meiner Erfahrung als 68erin voll zustimmen.

  • Christoph Ludszuweit
    2019-03-11 16:35

    „Die Träume liegen auf der Straße.“ (Guido Viale) oder:Wie stolz kann man auf Deutschland sein?Rezension von Christoph Ludszuweit„Das Leben muss im Blick nach vorn gelebt werden, aber kann nur in der Rückschau verstanden werden.“ - dieses dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard zugeschriebene ‚Gesetz’ (zitiert bei Jan Assmann, "Totale Religion - Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung“ Picus Verlag Wien 2. Auflage 2017, S. 24) könnte auch Gretchen Dutschkes neuer kritischer Bilanz als Leitmotiv zugrunde liegen. Die 1942 in Oak Park, Illinois geborene Autorin weist darauf hin, dass, je älter man werde, desto plausibler jene kluge Bemerkung sei, der zufolge das Leben nach vorne gelebt und von hinten her verstanden werden muss. „Die drei Jahre zwischen 1966 und 1969 verliefen wie im Rausch, mal strahlend hell, mal im tiefsten Dunkel, euphorisch und verzweifelt, fast wie im Kino.(...) 50 Jahre später erscheint diese Welt wie eine Karikatur,“ heißt es in ihrem Epilog.Nur wenige Wochen nach Beginn des (wie immer auch titulierten) „Gedenkjahres zu 50 Jahren 1968“ erscheint die Flut von Neuerscheinungen dazu fast jetzt schon unüberschaubar. Es scheint sich dabei – wieder einmal - eine Art von ‚Kulturkampf’ um die Deutungshoheit abzuzeichnen. Aus der Vielzahl der oft zweifelhaften begrifflichen Relativierungsversuche ragt ihr (auf den ersten Blick) unprätentiöser, stark persönlich gefärbter Text angenehm, weil stark persönlich gefärbt, heraus.Ihr mit vielen (bislang unbekannten) privaten S/W-Fotos versehenes, mit etwa 200 Seiten eher schmales Bändchen scheint wohl etwas in Eile geschrieben worden zu sein. Der bei der Überarbeitung behilfliche Journalist Reinhard Mohr, früher – nach Gastspielen beim PFLASTERSTRAND, der taz auch beim ehemaligen Nachrichtenmagazin tätig, in der sog- SPIEGEL-Sprache also bewandert, könnte ev. versucht haben, streckenweise seinen eigenen Stil einzubringen, was gewisse Brüche im Text hervorruft, mit denen sich freilich leben lässt.Es enthält viele teils anrührende Kapitel, voll Sprengkraft gegen die hiesige Gesellschaft, gegen die damalig noch erstarrte 68er Gesellschaft und die von heute. Autobiographie ist eben das, was sie wirklich gut kann. Auch in ihrem neuen Buch dominiert wieder die Perspektive der Ehefrau und Mitkämpferin, sie spricht nun allerdings etwas mehr von ihrem Ego. Kein Satz daraus klingt auch nur ansatzweise etwa nach einem veritablen Roman, was sie allerdings auch nie beansprucht hat (schade eigentlich).Das Buch ist jedenfalls flott und gut verständlich geschrieben, leider fehlt ein ohne Personenverzeichnis. Sie beschreibt zunächst ihr Ankommen in Deutschland im Jahr 1964. Als gebürtige Amerikanerin (heute ist sie „Wahl-Deutsche“) reiste sie auf einem rostigen Kohledampfer an, zusammen mit 40 Seeleuten und zwölf anderen Passagieren. Erst ging es zum Deutschlernen an ein bayrisches Goethe-Institut und danach in die „Frontstadt des Goldenen Westens“, nach West-Berlin, wo sie bald Rudi Dutschke, den ‚Mann ihres Lebens’ kennenlernte und wo aus kleinen Anlässe bald Proteste entstanden, mit Provokationen und einer Revolte, die eine große Wirkung dieses wirkungsmächtigen „Tumults“ (H.M. Enzensberger) freisetzte.Sie hatte bereits 1996 eine sehr detaillierte (und sogar auf der SPIEGEL-Bestsellerliste gelandete) Biographie über Rudi Dutschke verfasst, seine Herkunft, seine private und politische Entwicklung ausführlich, sehr persönlich und nicht unkritisch dargestellt, mit vielen Informationen, die bis dato kaum oder gar nicht bekannt waren, etwa Dutschkes nationalrevolutionäre Sympathien bzw. sein positives Verhältnis zur Deutschen Einheit oder seine Utopie einer Berliner Räterepublik analog zur Pariser Kommune. Zudem hatte sie 2003 Dutschkes Tagebücher publiziert, die er von 1963 bis zu seinem Tod 1979 geführt hatte. Dabei setzte sie sich auch mit verschiedenen heutigen Deutungen der Politik Rudi Dutschkes ihres Mannes auseinander. Vor allem dessen nationalistische Vereinnahmung durch ehemalige Mitstreiter wie Bernd Rabehl war ihr ein Dorn im Auge und stieß auf ihren energischen Widerspruch.50 Jahre nach der viel gerühmten, oft gescholtenen 68er Bewegung erzählt Gretchen Dutschke nun erneut aus ihrem Leben. In ihrer Bilanz betreibt sie eine schonungslose Analyse der Fehler und Illusionen. Sie unterstreicht dabei vor allem die Erfolge der Bewegung, betrachtet aus der Perspektive einer Außenstehenden, die sich vielleicht gerade durch diese Distanz ein hohes Maß an Unabhängigkeit bewahren konnte.Sie fragt danach, was davon noch das Potential hätte, auch heute zur Revolte beizutragen oder was wenigstens dazu taugen könnte, die Lust auf eine sich den globalen Herausforderungen stellende und neue Protestbewegung erneut zu entfachen. Um nicht weniger als eine weltweite Revolution müsse es sich handeln.Wenngleich sich die 68er-Utopien einer globalen Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung auch nicht so recht realisieren ließen - „Der Traum ist aus“, sang Rio Reiser einst, und dieses Leitmotiv bestimmt auch heute ihren Blick. Zumindest ist dieser große unbändige Traum von einem so ganz anderen Leben trotz des (im Text explizit vermerkten) TUNIX-Kongresses von anno 1978 irgendwo auf der langen Wegstrecke gehörig steckengeblieben, versandet. Sie erinnert dabei an den italienischen Autoren Vidale: „Noch 1979 schrieb der italienische Autor und Aktivist der Gruppe Il Manifesto, Guido Viale, ein Buch mit dem Titel Die Träume liegen auf der Straße. Und es stimmt: Ohne überschießende Fantasie, sich andere, bessere, gerechtere Zustände vorzustellen, geht nichts voran. Der Charme der Revolte lag ja vor allem in der frechen juvenilen Provokation, nicht zuletzt in jenem fröhlichen unernsten Hedonismus, dessen Soundtrack vor allem die Rockmusik bildete.“Und doch leben Elemente eines ehemaligen, nun verschütteten Widerstand gegen eine autoritär „verwaltete Welt“ (Adorno) im vereinigten (und nun neu gespaltenen) Deutschland fort. Der Freiheitsdrang dieses Protestes wird sich – da ist sie sicher - am Ende irgendwann doch noch durchsetzen. Sie meint, dass sich Deutschlands Verwandlung in eine tolerante Zivilgesellschaft insbesondere diesem Aufbruch verdankt. Ihre Attitude, dass jeder einzelne deutsche Bürger auf „ein demokratisches, freies, weltoffenes Deutschland stolz sein“ könne, wird sicher nicht nur bei den strammen Anti-Deutschen einiges Bauchgrimmen oder Widerwillen und Abscheu hervorrufen. Deutlich wurde dies in Ansätzen bereits bei der ersten, für einen Sonntag erstaunlich gut besuchten Berliner Lesung, wo sie Teile aus ihrem Text bei „GRETCHEN LIEST IM GRETCHEN CLUB“ vortrug. Als sie auf das Thema Stolz zu sprechen kam, war ein deutliches Murren bei Teilen des Publikums kaum zu überhören, zumeist bei den schon ergrauten bis weißhaarigen Besuchern.Man darf gespannt sein, wie das, was wir damals noch als „bürgerliche Öffentlichkeit“ bezeichneten, heute, d.h. genau ein halbes Jahrzehnt später, auf Gretchen Dutschkes Bilanz reagieren wird; ich vermute, die meisten Einwände, Streitpunkte und Formilierung von Widersprüchen wird es im Blick auf die Nationalstolzdebatte geben. Begriff von „Stolz“ hervorheben, unseren Stolz auf all das, was wirMan sollte ihre Einlassungen zum Thema „Stolz auf Deutschland sein“ nicht falsch verstehen: 1968 stellte - ganz in Rudis Sinne – letztendlich – eine kühne These, aber nicht leicht von der Hand zu weisen - „die erfolgreiche Durchführung der 1848er- Revolution“ dar, auch wenn es den meisten Rebellen von damals nicht bewusst war: denn „für das, was wir heute die antiautoritäre Kulturrevolution nennen, gab es stets einen Orientierungspunkt...; die Vollendung jener Demokratisierung in allen Lebensbereichen, die mit der bürgerlichen Revolution von 1848 begonnen hatte, dann aber allzu rasch an den Machtverhältnissen scheiterte.“Es treibt G. Dutschke um, dass es in Deutschland so viele linksgerichtete Menschen gibt, meistens aus der älteren Generation) die es nicht nur ablehnen, den Begriff „Stolz“ in Bezug auf Deutschland zu akzeptieren, sondern dass sie dies sogar regelrecht verdammen - ein Phänomen, das es in diesem Umfang kaum in einem anderen Lande dieser Welt gibt und mit der deutschen Geschichte zu tun haben muss. Andererseits aber nehmen die rassistischen Rechten ohne Problem das Wort auf und benutzen es als eine Art Vorschlaghammer, um die angeblich von den Alt-68ern verseuchte deutsche Gesellschaft zu bekämpfen. „Stolz“ bedeutet für sie, stolz darauf zu sein, als Deutsche(r) geboren zu sein. Damit wollen sie die Einwanderer und alle deutschen Menschen mit dem vielbeschworenen Migrationshintergrund ausgrenzen. Kann man also die Hassmenschen der AfD bekämpfen, indem man versucht, ihnen ihr „Stolzsein“ wegzunehmen?Die Autorin meint, stattdessen sollten wir unseren anderen Begriff von „Stolz“ hervorheben, unseren Stolz auf all das, was wir - d.h. alle Menschen, die in Deutschland leben - machen, um das Land demokratisch und frei zu gestalten. Vor allem auch, um eine Wiederholung der schlimmen Vergangenheit zu vermeiden.Das Wort „Stolz“ hat im Deutschen nun einmal verschiedene Bedeutungen. Laut Duden meint die erste vorgezogenen Bedeutung „von Selbstbewusstsein und Freude über einen Besitz, eine [eigene] Leistung erfüllt; ein entsprechendes Gefühl zum Ausdruck bringend oder hervorrufend”. Stolz und Freude über alles, was von den 1968igern geleistet wurde, sei ein durchaus adäquater Ausdruck und passe zumal rein gar nicht zu der Idee, irgendwo geboren zu sein, wofür man ja mal nun rein garnichts kann und auch gar keinen Beitrag geleistet hat. Eine zweite Bedeutung von „Stolz“ existiert allerdings auch, im Sinne davon, dass man „in seinem Selbstbewusstsein überheblich und abweisend” ist. Dies passt ja auch recht gut zu den sog. AfD-Hassmenschen. Weitere Synonyme: „affektiert, angeberisch, aufgeblasen, wichtigtuerisch, arrogant.“ Das Gegenteil von „Stolz“ kann Beschämung oder Scham sein. Wenn man etwa seine Scham über ein begangenes Unrecht zugibt und alles zu verhindern sucht, damit so etwas wieder geschieht, dann kann man wirklich stolz sein. Es handelt für sie sich um ein dialektisches Verhältnis, etwas, das sich bewegt und entwickelt. Natürlich kann man die Hassmenschen nicht mit einem Wort bekämpfen. Trotzdem muss man bei dem Versuch, Menschen zu überzeugen, schon etwas dazu sagen, denn Wörter bzw. Worte überzeugen die Leute sowieso immer, mehr oder weniger - ob man es nun will oder nicht. Ihr geht es natürlich auch um mehr als bloß darum, stolz zu sein. Es geht um deutsche Identität. Und es gibt nun einmal einen Kampf, um diese deutsche Identität zu bestimmen, und zwar entweder inklusiv oder exklusiv. Letztendlich kann man nicht einfach sagen, wir sind stolz, deutsch zu sein oder in Deutschland zu leben. Man muss sich genauer ausdrücken: Stolz als Freude über das, was wir geleistet haben. Eine deutsche Identität müsste zugeben, dass es ein sehr dunkles Kapital gegeben hat und dass heute diese Identität dadurch bestimmt wird, was wir dafür etwas tun und unternehmen, damit eine solche Dunkelheit nie wieder aufziehen wird.Gretchen Dutschke: 1968. Worauf wir stolz sein dürfen. Kursbuch Kulturstiftung gGmbH, Hamburg 2018, ISBN 978-3-961-96006-4.

  • G. Lindlar
    2019-03-11 12:48

    Gretchen Dutschke bietet eine äußerst facettenreichen, auch (selbst-)kritische darstellung der 68iger (-bewegung), ihrer verschiedenen wurzeln, ausprägungen und (am ende desaströsen) final-entwicklung, zugleich schreibt sie ein einfühlsames porträt ihres mannes rudi Dutschke. und sie transportiert gleichsam schön den swing einer ganzen generation; - dieses buch ist nie dogmatisch verbohrt, sondern von angenehmer relaxeder souveränität getragen! dringende leseempfehlung!

  • Amazon
    2019-02-28 14:59

    Hier wird die Verzweiflung einer verlorenen Generation beschrieben. Die Kinder der Hitler-Genration begehen in ihrem radikalen Glauben an Weltveränderung durch Manipulation der Masse die gleichen Fehler, wie ihre Eltern, nur der Habitus ist dem Zeitgeschehen angepasst. Die Ähnlichkeiten zwischen Marcuse und Goebbels werden ebenso offensichtlich, wie die zwischen Grass und Jünger. Offen bleibt am Ende, welche Rolle der Schah von Persien in diesem Komplott spielte.