Read Ballade vom Abendland (MSB Paperback) by Éric Vuillard Online

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Wir kennen alle Details des Ersten Weltkriegs, seinen Beginn, seinen Verlauf, sein Ende Doch die Wahrheit ber diese fundamentale Ersch tterung des Abendlandes kennen wir nicht Vuillard f hrt uns diese Unkenntnis mit seiner grandiosen literarischen Geschichtsrhapsodie vor Augen Er vermischt die sonst s uberlich getrennten Perspektiven und f gt sie zu einem neuen Ganzen zusammen Mit atemberaubenden, musikalisch komponierten Assoziationen verbindet er die gro e Politik mit dem Elend der Sch tzengr ben, die Detonationen der Gasgranaten mit den gemeinsamen T nzen der M chtigen jenseits der Front In der Ballade vom Abendland wird die Geschichte zum Handelnden, erkennbar im Mosaik der Bilder, Vuillard will uns befreien, ern chtern vom trunkenen Schwelgen in Tod, Opfer, Schlachten, Zerst rung und Heldentum....

Title : Ballade vom Abendland (MSB Paperback)
Author :
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ISBN : 3957576482
ISBN13 : 978-3957576484
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : Matthes Auflage 1 31 August 2018
Number of Pages : 166 Seiten
File Size : 982 KB
Status : Available For Download
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Ballade vom Abendland (MSB Paperback) Reviews

  • H. Feldmann
    2019-05-02 12:07

    Die Literaturliste über Kriege, ihre Entstehungsursachen, ihre Folgen und der offensichtlichen Unfähigkeit des Menschen auf kriegerische Auseinandersetzungen gänzlich zu verzichten ist schier endlos. Auch die Beispiele vergeblicher Anstrengungen gegen solche Entwicklungen anzuschrei(b)en sind zahllos. Und dennoch braucht es weiterhin solche Bücher wie dieses, um der angeblichen Zwanghaftigkeit von Kriegen, auch als Ultima Ratio, zu begegnen. Wenn immer mehr Menschen bereit sind, aufeinander zuzugehen, gegenseitig zuhören und miteinander zu sprechen gibt es Hoffnung auf eine friedlichere Entwicklung. Dieses Buch bietet genügend Anreize um den Slogan: „Nie wieder Krieg!“ mit Leben zu füllen.Selten wurde die Unsinnigkeit von Kriegen, hier am Beispiel des I. Weltkrieges und die Verführbarkeit von (meist jüngeren) Menschen zu einem „Hurra-Patriotismus“ schonungsloser dargestellt. Beeindruckend der Versuch, selbst die unglaublichsten Vorgänge, wenn schon nicht zur Gänze zu verstehen, so doch zumindest zu hinterfragen, ihnen so zu begegnen, dass zukünftige Generationen vor ungesunden patriotischen Anwandlungen möglichst gefeit sind. Es sind Passagen wie die folgende, die zum Nachdenken animieren und schließlich dazu führen können, klar Stellung zu beziehen: „Sicher, es gibt das Sinnen auf Revanche, diese Gründe, die genannt werden. Aber es reicht nicht, es reicht nie, um zu erklären, weshalb eines Tages Millionen von Männern gemeinsam singend aufbrechen, einander gegenüber Stellung beziehen und plötzlich zu schießen beginnen. Es gibt einen Kalender der Seele, den niemand wirklich kennt, und den kein Bündel aus Gründen, keine noch so überzeugende Erklärung erschöpfend begreift.“Ruhm und Ehre, Anerkennung, Kameradschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir und die anderen), all das sind Zutaten, um eine Kriegsmaschinerie in Bewegung zu bringen und zu halten: „In der Schule erzählt man ihnen von einem Feind, einem Gewitter; und wenn es sein muss, werden sie rennen, nicht mehr an den Fluss oder zur Gartenlaube, sondern in den Tod.“ Die Generalität, gefangen in ihrer Destruktivität und Überheblichkeit verteilt die Rollen: „So hatten in diesem fantastischen Krieg, in diesem Feuerwerk, in das so viele Zivilisten geworfen wurden – und man kann sagen, dass es in Wirklichkeit riesige Armeen aus Zivilisten waren, die sich bekämpften, riesige Armeen aus Arbeitern und Bauern.“ Menschenleben spielen keine Rolle, nur der Erfolg, der Sieg zählt, zum eigenen Ruhm, zur eigenen Machtfülle und zur Unsterblichkeit (zumindest in Geschichtsbüchern).Die Absurditäten des I. Weltkriegs in einer besonderen Intensität und vielen Facetten dargestellt zu haben, gebührt große Anerkennung. Dies gilt auch für eine Verknüpfung mit der persönlichen Ebene, denn viele Auseinandersetzungen beginnen schon im Kleinen und auch dort gibt es Opfer – meist sind es, wie im „richtigen“ Krieg diejenigen, die am wenigsten dazu können: Kinder bzw. junge Menschen.

  • Werner Titz
    2019-04-28 14:12

    Ein 'frischer, fröhlicher Krieg' hätte es werden sollen, so hatte Wilhelm II den Weltkrieg I jedenfalls angekündigt. Und zumindest in diesem Buch fängt das Jahr 2014 auch recht beschaulich an:*Die Osterglocken hatten schon Mitte März geblüht. Dann war die Reihe an den Kirschbäumen, den Magnolien, all die weißen rosafarbenen Büschel, die verwaist auf schwarzen Ästen wachsen'.das milde Wetter hatte zu einem Aufblühen aller Blumen gleichzeitig geführt'*Aber gegen Ende dieses Frühlings *knistert die Welt - schon gerät etwas ins Stottern und man produziert, was an Granaten und Kanonen gebraucht werden wird. Der Krieg ist ein Überraschung, die vorbereitet werden will*. Und dann die Ouvertüre zum Beginn des großen Schlachtens, die der Autor, in seinem typischen kompositorischen Muster, so beschreibt: *Der Rost ist fertig, die Kelle schabt über die Mauer, man wird das Fleisch brechen können wie Brot*.Der Titel der deutschen Übersetzung des Buches «La bataille d'occident» des französischen Autors Eric Vuillard ist *Ballade vom Abendland*. Rhapsodie wäre vielleicht als Bezeichnung für diesen Text treffender, denn dieser Text ist zwar lyrisch, erzählt aber keine Geschichte, ist nicht chronologisch, sondern ein musikalischer Text mit Motiven und Assoziationen die lose miteinander verbunden sind, und die insgesamt doch das ganze Panorama des Grauens darstellen in dem Europa in diesen 4 Jahren versinkt.Um alles zu erfassen, ändert der Autor ständig den Blickwinkel. Er beschreibt im Bullet-Time-Effekt wie die Kugel aus dem Revolver in den Kopf des französischen Sozialisten Jean Jauré trifft, als dieser während einer Rede gegen den Krieg erschossen wird. Er betrachtet aus der Vogelperspektive die Leichenfelder bei Ypern und das Vorrücken der deutschen Armee, *die sich über Frankreich auszubreiten schien wie ein sich ausrollender Teppich*.Er kommentiert Originalaufnahmen, kleine Schwarz-Weiß-Fotos, die auch im Buch abgebildet sind. Wie durch einen alten Guckkasten sieht man da das ausgebleichte Portrait des obersten Strategen im deutschen Generalstab, Alfred Graf von Schlieffen, oder man blickt in das Gesicht des Attentäters Gavrilo Princip; oder in die groteske *Clownsgrimasse* eines Verwundeten.Der Blick des Autors reicht bis nach Anatolien, wo Türken die Armenier in den Tod treiben, und nach Russland, wo die roten Soldaten die Weltordnung umstürzen und für ein Dekret für den Frieden stimmen, mit dem sie die Völker Europas auffordern, die Menschheit vom Schrecken des Krieges zu befreien.Alle werden sie mit hineingerissen in diesen Krieg, die verstaubten Größen wie Nikolaus II und Georg V, die *Groschenromanmajestäten*, wie der Autor sie nennt, herausgerissen aus ihren Beschäftigungen, Nikolaus II vom Briefmarkensammeln, Georg V vom Tennisspielen.So wie am Beginn schon Franz-Ferdinand mit seiner Sophie Chotek, die in Sarajevo eine Kugel in den Unterleib bekommt bevor es gleich danach ihren Gatten in den Hals trifft. Hätte er standesgemäß geheiratet, der Herr Thronfolger, hätte er einen seiner Bedeutung gemäßen Sicherheitsschutz bekommen. Aber weil er nur eine Hofdame heiratete, die bei diesem Attentat nur gräfliches, blaues, Blut verströmen kann, kam er nicht in den Genuss eines vollständigen Ordnungsdienstes wie es königlichem Blut zusteht.Wenn man ein Jahrhundert später über den Ersten Weltkrieg schreibt, kann man dem Grauen vermutlich nur mit Wut und Sarkasmus Ausdruck geben wie es Eric Vuillard in diesem Buch meisterhaft tut. Schon aus Gründen der historischen Distanz ist kein 'Mitleiden' mit den Opfern angebracht, wohl aber ein genaues Hinsehen auf die Folgen des Krieges, wie es der Autor zum Beispiel bei der Beschreibung der Leichenfelder in den Ebenen Flanderns macht:*All diese Fleischgerippe, diese Uniformen, das alles liefert Humus, Pilze, Nährstoffe. Alkali! Auch das Herz verwest langsam im wimmelnden Fleisch. Eine kalte Hand hindert es, zu schlagen und seinen Knochenkäfig zu heben. Die Arme verlassen den Körper, die Hoden quellen durch die Hauttasche, die Köpfe schneiden andere Grimassen. Ganz schnell sind diese jungen lebensvollen Leute nichts mehr als Elsternnester, Schnäbel picken sie an, Rüssel saugen sie aus, sie werden von Stacheln, von Würmern durchbohrt, eine winzig kleine gefräßige Bevölkerung*Eric Vuillard begründete mit diesem Buch eine neue Art, Epochen der Geschichte literarisch zu erfassen, und führte sie in *KONGO*, seinem zweiten bisher in deutscher Sprache erschienen Buch, erfolgreich fort. Wer sich die Mühe macht, in dieses dichte literarische Geflecht aus Fakten und Assoziationen einzudringen, wird durch neue Einblicke in dunkle Zeiten belohnt, und mit Formulierungen, die wie Blitze die beschriebene Zeit erhellen.