Read Scriptura efficax. Die biblisch-dogmatische Grundlegung des theologischen Systems bei Johann Andreas Quenstedt: Ein dogmatischer Beitrag zu Theorie ... und ökumenischen Theologie, Band 123) by Michael Coors Online

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Das theologische Werk Johann Andreas Quenstedts, des letzten gro en Vertreters der lutherischen Hochorthodoxie, wird im Blick auf die gegenw rtige Diskussion um die Perspektiven einer Biblischen Theologie und Kanontheorie interpretiert Leitend ist dabei ein pragmatischer Verstehensbegriff, der anhand der Sprach und Lebensphilosophie der Philosophischen Untersuchungen Ludwig Wittgensteins gewonnen wird Von diesem Verstehensbegriff ausgehend wird die Lehre von der Wirksamkeit der Schrift als Zentrum der Schriftlehre und Theologie Quenstedts interpretiert Das Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift ist ein in der Praxis des Glaubens sich vollziehendes Verstehen, in dem der Heilige Geist durch den Text der Heiligen Schrift Glauben bewirkt Daher ruht die ganze Schriftlehre auf der Pneumatologie auf Dies gilt auch f r die Inspirationslehre, die als pneumatologische Texttheorie interpretiert wird.Die Durchf hrung dieser systematisch entfalteten Schriftlehre Quenstedts scheitert jedoch in der materialen Dogmatik Hier werden biblische Texte ohne Bezug auf die Praxis des Glaubens aufeinander bezogen und theologische Lehrs tze aus ihnen deduziert Ursache dieses Scheiterns ist nicht die vielfach kritisierte Inspirationslehre, sondern vielmehr eine problematische Verh ltnisbestimmung von Theologie und Glaubenspraxis Diese Aporie im Blick nimmt die Arbeit die positiven Implikationen der Schriftlehre Quenstedts auf und formuliert Thesen f r ein Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift in der Gegenwart....

Title : Scriptura efficax. Die biblisch-dogmatische Grundlegung des theologischen Systems bei Johann Andreas Quenstedt: Ein dogmatischer Beitrag zu Theorie ... und ökumenischen Theologie, Band 123)
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ISBN : 3525563973
ISBN13 : 978-3525563977
Format Type : Other Book
Language : Englisch
Publisher : Vandenhoeck Auflage 1 21 Januar 2009
Number of Pages : 474 Pages
File Size : 878 KB
Status : Available For Download
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Scriptura efficax. Die biblisch-dogmatische Grundlegung des theologischen Systems bei Johann Andreas Quenstedt: Ein dogmatischer Beitrag zu Theorie ... und ökumenischen Theologie, Band 123) Reviews

  • ichthys-Redaktion
    2019-02-23 08:09

    Die Dissertation von Michael Coors, theologischer Referent am Zentrum für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum, widmet sich der Frage, wie das Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift dogmatisch beschrieben werden kann. Für die Untersuchung dieser Frage widmet sich Coors dem theologischen System von Johanna Andreas Quenstedt (1617-1688), wobei an mehreren Stellen - leider recht unvermittelt - Vergleiche mit anderen wichtigen Vertretern der altprotestantischen Orthodoxie erfolgen. Besonders ist dabei auch der Zugang zur altprotestantischen Theologie, der bei Coors an Hand des methodischen Ansatzes der Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins erfolgt.Nicht nur in Bezug auf die Behandlung der altprotestantischen Orthodoxie, sondern auch was die Fragestellung angeht, ist der Horizont des Autors sehr weit: Im ersten Teil erfolgt unter der Überschrift "Biblische Theologie und Dogmatik" die Darstellung gegenwärtiger Ansätze biblischer Theologie, die von Brevard S. Childs, Peter Stuhlmacher und Friedrich Mildenberger vorgelegt wurden. Nach eingehender Darstellung der überaus komplexen Diskussionslage kommt Coors dabei zum Ergebnis, dass die vorgestellten Ansätze aus unterschiedlichen Gründen mit ihren Begründungen zu kurz greifen: Vielmehr sei es notwendig, gerade angesichts der Problemlage die Frage nach der Begründung des Kanons eingehend zu analysieren. Danach müsse dann die Frage nach dem Vorgang, der die Bibel als Heilige Schrift verstehen lässt, beantwortet werden.Dazu erfolgt zunächst in einem zweiten Teil die eingehende Darstellung der Spätphilosophie Wittgensteins. Wichtig für die vorgelegte Dissertation ist dabei die Annahme Wittgensteins, dass "Verstehen nicht mehr [...] als Vorgang der Applikation eines Außen (z. B. Sprache) durch das Innen (z. B. Denken) verstanden wird." (82) Vielmehr sei der Vorgang des Verstehens an eine spezifische "Lernsituation" gebunden und somit die Lebenspraxis als wesentlicher Faktor für das Verstehen anzusehen. Dies gelte insbesondere für das Erlernen von Sprache, entsprechend auch für das Lernen, die Bibel als Heilige Schrift zu bezeichnen und damit auch zu verstehen. Damit verabschiedet sich Wittgenstein - und mit ihm Coors - von einem mentalen Verstehensbegriff unter dem Hinweis, die Tatsache des Verstehens sei in diesem Fall nicht überprüfbar.Im Folgenden wird der Verstehensakt - typisch für Wittgensteins Ansatz - durch sprachliche Vergleiche verdeutlicht. Hierbei erfolgt der Vergleich mit dem Lesen - nur die Tatsache, dass jemand liest, ist ein überprüfbares Kriterium dafür, dass jemand des Lesens mächtig ist. Ähnliche Vergleiche werden zwischen "verstehen" und "einer Regel folgen" bzw. dem "Verstehen eines musikalischen Themas", also der ästhetischen Dimension des Verstehens, angestellt. Dabei wird die Ausgangsthese bestätigt, worin für Wittgenstein Verstehen nur in der Lebenspraxis geschieht und dabei eng mit dem Vollzug des jeweils Verstandenen verknüpft ist. Die Wahl der verschiedenen Vergleiche thematisiert dabei verschiedene Aspekte des Verstehens bzw. Verstehen in verschiedenen Hinsichten. Dabei wird für den Leser allerdings leider nicht klar, ob Coors an dieser Stelle eine vollständige Darstellung der Vergleiche Wittgensteins vorlegt oder diejenigen auswählt, die seiner Ansicht nach für die Verwendung in Bezug auf das Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift wichtig sind. Ebenso wäre eine Unterscheidung zwischen der Darstellung Wittgensteins und der durch Coors erfolgten Interpretation sinnvoll. In einer abschließenden Zwischenbilanz zum zweiten Hauptteil stellt Coors fest, Verstehen sei somit bei Wittgenstein als "praktisches Verstehen" (131) zu begreifen, wie auch bei Quenstedt das Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift mit dem Glaubensvollzug und der Heilszueignung identifiziert ist.Der ausführlichste dritte Teil widmet sich Quenstedts Schrift Theologia didactico-polemica. Dabei steht zunächst nicht der Verstehensakt in Glaubensvollzug und Heilszueignung im Mittelpunkt, sondern grundsätzlicher die Frage nach der Verbalinspiration. Diese fasst der Autor nicht als Immunisierung der eigenen Theologie gegen Kritik - ein häufiger Vorwurf gegenüber der altprotestantischen Orthodoxie - , sondern als wichtigen Aspekt in der Kommunikation zwischen Gott und Mensch auf. Dabei erkennt Coors in der Schrifttheorie die grundlegende Annahme der Passivität des Menschen wieder, wie z. B. in der Zueignung des Glaubens, und sieht diese in hermeneutische Entscheidungen überführt. Die aus dieser Grundannahme folgenden Fragen wie die Rolle des Heiligen Geistes und die Frage nach der Stellung der Kirche bei Quenstedt werden ausführlich thematisiert. So folgt aus der Anrede des Geistes durch die Schrift der Glaube an die Schrift als Heiliger Schrift als Teil des Glaubens, den der Geist durch sie wirkt. (146) Die Kirche dagegen legt lediglich Zeugnis von der Schrift ab und erkennt diese auf Grund ihrer Wirkung a posteriori als göttlich an, aber sie stellt keinen notwendigen Zugang zur Schrift dar. Aufgrund der Parallelisierung von Heilszueignung und Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift kommt Coors schließlich zu dem Schluss, es gehe beim Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift nicht um ein inhaltliches Erfassen, sondern parallel zum Heilswirken werde der Leser "auf ein neues Leben aus(ge)richtet und [...] so in ein neues Reden aus der Schrift ein(ge)führt" (165). Das Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift ist somit eng auf den Übergang vom Nichtglauben zum Glauben bezogen. Dieses neue Verstehen wiederum interpretiert Coors im Anschluss an Wittgenstein als praktisches Verstehen.Coors schließt nach diesen grundsätzlichen Feststellungen weitere Durchgänge durch das Werk Quenstedts an, wobei pneumatologische, exegetische und trinitätstheologische Fragen im Mittelpunkt stehen. Bei der Beschäftigung mit der theologischen Texttheorie bringt Coors - ebenfalls ausgehend von der Philosophie Wittgensteins - seine Kritik am theologischen System Quenstedts an. So sei bei Quenstedt die Wirksamkeit der Schrift gleichsam als supranaturale Kraft missverstanden, obwohl es dabei eigentlich um die Passivität der Vernunft, vor allem in der Auslegung und der Heilszueignung, gehe. Fraglich sei ebenfalls die Rolle des Tugendhabitus, der dem Menschen laut Quenstedt verliehen sei und der im Gegensatz zur passiven Rolle bei der Bekehrung des Menschen durchaus aktiv vom Menschen verwendet werde. Somit werde das Heil wie auch das Verstehen der Schrift zum Besitz des Menschen, was der eigentliche Intention der Inspirationslehre entgegen stehe.In einem vierten Teil fasst Coors seine Ergebnisse zusammen und bezieht sie nochmals auf die anfänglich gestellten Fragen. So sei Verstehen seiner Ansicht nach ein Vorgang, das stets in eben denjenigen praktischen Zusammenhängen geschieht, in denen es auch erlernt wird. Das Verstehen von Sprache sei immer eingebettet in konkrete Lebenspraktiken und zunächst als praktisches Verstehen zu sehen, also als Handeln auf Grund von Sprache (343). In einer abschließenden Thesenreihe plädiert Coors dafür, im Rahmen einer biblischen Dogmatik den Text im Kontext seiner kommunikativen Funktion zu verstehen und die kirchliche Tradition mit einzubeziehen. Dass die kritische Funktion der Exegese gegenüber den Texten dennoch hervorgehoben wird, ist an dieser Stelle nach Ansicht der Rezensentin nicht ganz nachzuvollziehen.Michael Coors hat mit seiner Dissertation eine umfangreiche Studie zur Schriftlehre Quenstedts mit Bezug auf die Spätphilosophie Wittgensteins vorgelegt. Die Studie besticht durch zahlreiche Details und große Sachkenntnis bezüglich der altprotestantischen Orthodoxie, die durchaus positiv gewürdigt wird. Die Parallelisierung von Glaube und Glaubensvollzug sowie Bekehrung und dem Verstehen der Bibel als Heiliger Schrift erscheint der Rezensentin durchaus reizvoll, auch wenn die für das Heute drängenden Fragen in diesem Zusammenhang - themenbedingt - nicht weiter bearbeitet werden. Die Rezensentin stellt sich z. B. die Frage nach den Konsequenzen für den Konfirmandenunterricht oder die evangelistische Predigt, wenn das Verstehen der Heiligen Schrift eng an den Glaubensvollzug gebunden verstanden wird. Auch eine grundlegende Erörterung der Frage, inwiefern sich Wittgensteins Beispiele für die Frage nach dem theologischen Verstehen eignen, bleibt leider aus. Viele interessante Einzelgedanken, die nicht immer eng mit dem zu erörternden Thema zusammenhängen, runden das Bild einer solide gearbeiteten Dissertation ab.Den guten Eindruck trüben leider die häufigen orthographischen Fehler, die gerade in lateinischen Zitaten -häufig unübersetzt- das Verständnis erschweren. Darüber hinaus muss die Rezensentin die großen Argumentationsbögen erwähnen, die durch bessere Gliederungen und Überleitungen lesefreundlicher gestaltet werden könnten - gerade angesichts der Notwendigkeit, auf Grund des Systems Quenstedts mehrere Durchgänge durch ähnliche Gedankengänge nachzuvollziehen. Auch das Anfügen mehrere Grafiken anstelle der einen vorhandenen hätte dem Leser die Orientierung im schwierigen Stoff erleichtern können.Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Michael Coors einen lohnenden Versuch unternimmt, das dogmatische Verstehen auf neuen theologischen Wegen zu denken. Die Frucht dieses Versuches und seine Aufnahme in Dogmatik und Exegese bleiben abzuwarten.Katja Willunatichthys 27 (2011), 105-107