Read Rote Handschuhe: Roman by Eginald Schlattner Online

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Verhaftet, verhrt, verurteilt Ein ganz und gar ungew hnliches Buch Kein in diesem Teil Rum niens geschriebenes Buch hat bisher so offen und frei von Ressentiments die dortige Nachkriegsgeschichte dargestellt wie die beiden Romane Eginald Schlattners Nicole Henneberg in der Frankfurter Rundschau Der Ich Erz hler, Mitte Zwanzig, Student der Hydrologie an der Universit t Klausenburg, ger t in die F nge der rum nischen Staatsmacht Er wird der Konspiration gegen das kommunistische Regime verd chtigt, Ende Dezember 1957 von der Securitate verhaftet, ins Gef ngnis nach Kronstadt gebracht, monatelang verh rt, unter Druck gesetzt, seelisch und k rperlich mi handelt und gefoltert Ein verzweifelter Kampf um Integrit t beginnt Nach dem Deb t Roman Der gek pfte Hahn ber seine Kindheit in Siebenb rgen zeichnet Eginald Schlattner im vorliegenden Roman die Trag die eines jungen Menschen nach, der sich auf der falschen Seite wiederfindet Schlattner setzt sich mit dem eigenen Fall auf eine radikal schonungslose Weise auseinander sinnlich, bildhaft und deutlich zugleich, ein Meister der Charakterstudie, der bei allem bitteren Ernst einen Sinn f rs Komische und Merkw rdige, f r das Ironische des Schicksals hat Daniela Strigl im Standard...

Title : Rote Handschuhe: Roman
Author :
Rating :
ISBN : 3423130458
ISBN13 : 978-3423130455
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : dtv Verlagsgesellschaft 1 Februar 2003
Number of Pages : 608 Seiten
File Size : 795 KB
Status : Available For Download
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Rote Handschuhe: Roman Reviews

  • chinchilla52
    2019-05-01 18:20

    Dieser Roman zählt zu den besten Büchern, die ich aus der Zeit des Stalinismus in Rumänien über die Volksgruppe der Siebenbürgen gelesen habe. Hervorragend und spannend geschrieben, diesen Roman kann ich nur weiterempfehlen

  • Klaus Engelhardt
    2019-05-13 18:27

    Seit einiger Zeit schon geistert der Name Eginald Schlattners durch die Nachrichten aus Siebenbürgen, die man da und dort liest. Einerseits schätzt die Kritik Schlattners schriftstellerische Begabung, andererseits wirft man ihm vor, einige seiner Siebenbürger Mitbürger und deren 'antikommunistische Umtriebe' an die geheime Staatspolizei (Securitate) verraten zu haben, was für die Betroffenen keineswegs ohne Folgen blieb.Grund genug für mich, mir die Roten Handschuhe einmal genauer anzusehen.Es handelt sich um einen in der ersten Person erzählten Roman autobiographischen Inhalts. Die erzählte Zeit beginnt mit der Verhaftung des Protagonisten ,,Johannes' durch die rumänische Geheimpolizei Securitate in den späten fünfziger Jahren. Es folgen fast zwei Jahre täglicher und nächtlicher peinlicher Verhöre unter menschenunwürdigen, erniedrigenden Bedingungen im Kronstädter Securitate-Gefängnis, das mit dem Wort ,,Verlies' wohl besser gekennzeichnet wäre. Der Protagonist entstammt einer wohlhabenden siebenbürgisch-sächsischen Familie aus dem kaum sechzig Kilometer weiter westlich gelegenen Fägärasch. Anfänglich beantwortet Johannes alle Fragen der Geheimpolizei derart, dass er die Aktivitäten seiner Freunde und Bekannten als politisch irrelevant darstellt und die Betroffenen als unpolitisch erscheinen läßt. Die dafür erduldeten Mißhandlungen nimmt er in kauf. Etwa halbwegs durch die Zeit der Verhöre bricht sein Widerstand jedoch zusammen, und von nun an belastet er eine Reihe von Individuen aus dem Umkreis seiner literarischen Freundschaften an der Universität von Klausenburg mit allen möglichen Vergehen, die als Widerstand gegen die kommunistische Staatsgewalt, damals geführt von dem Ersten Parteisekretär Gheorghiu-Dej (noch vor der Zeit Ceausescus), ausgelegt werden, und zu weiteren Verhaftungen, Gefängnisstrafen und Verschleppungen führen. Er selbst wird am Ende zu einer verhältnismäßig milden Gefängnisstrafe verurteilt, und zwar als verschwiegener Mitwisser und Komplize der berichteten Vergehen.Als er nach dem Strafvollzug in seinen Heimatort zurückkehrt, findet er seine einst wohlsituierte Familie in einer staatlich zugewiesenen Elendswohnung wieder. Sein eigener Bruder, den er ebenfalls an die Polizei verraten hatte, soll, so erfährt er, todkrank in irgend einem unbekannten Zwangsarbeitslager schmachten. Er versucht, Arbeit zu finden, sein Ingenieurstudium abzuschließen, alte Freundschaften wieder anzuknüpfen, kurz,sein Leben wieder neu aufzubauen. Betroffen stellt er jedoch fest, daß er nun allerseits als Verräter gebrandmarkt ist. Den einzigen Rückhalt bieten seine Familie, und besonders seine jüngere Schwester Elke.Diesen Handlungsfaden unterbricht Schlattner an vielen Stellen und schaltet Rückblenden ein. Manche reichen bis in die Vorkriegs- und Kriegsjahre zurück, als viele Siebenbürger Sachsen die damals noch mit Rumänien alliierten deutschen Truppen begeistert willkommen hießen. Meistens ist jedoch die Rede von der planmäßigen Unterdrückung der sächsischen Volksgemeinschaft, von der Verschleppung Tausender von Siebenbürgern in die Baragan-Steppe oder in die Sowjetunion, von Enteignungen und Gewalttätigkeit. Mit der Kommunisierung Rumäniens rücken nun Rumänen in machtvolle Positionen des kommunistischen Parteiapparats und schreiten zur systematischen Zerstörung der, meist deutschsprachigen, Bürgerschicht von Siebenbürgen.Schlattners Darstellung dieser schwierigen Zeit beschränkt sich jedoch keineswegs auf die meist negativen Wirkungen des politische Geschehens. Zahlreiche Exkurse in die Vergangenheit vermitteln ein lebendiges Bild seiner persönlichen Kindheits- und Jugenderfahrungen als Schüler, und später Student in Klausenburg. Einblicke in das Leben seiner Familie, Literaturerlebnisse, Begegnungen mit Mädchen, Lehrern, Vertretern der Kirche, und viele andere bestimmende Jugenderlebnisse beleben diese Rückblenden (siehe Leseprobe unten).'Rote Handschuhe' bezieht sich konkret auf ein beliebtes Spiel zwischen Kindern, man möchte den Titel aber auch mit dem Schicksal des Protagonisten in Verbindung bringen: Die kommunistische Ideologie der gesellschaftlichen Gleichstellung läßt ihn keineswegs gleichgültig, aber seine 'rote' Färbung erscheint gleichsam, wie ein paar Handschuhe, von außen übergestülpt. Seine Verstrickung in politische Schuld und Verrat ist in dem Roman ohne Beschönigung, zugleich aber meisterhaft, dargestellt.Damit unterscheidet sich das Buch von anderen Dokumenten der Aufarbeitungsliteratur, die in den letzten Jahren in Rumänien entsteht, so z. B. Roman Manea, Rückkehr des Hooligan, 2004, oder Virgil Gheorghiu, 25 Uhr, bereits 1950 erschienen, oder Petru Dumitriu, Inkognito, 1964. In den letzteren wird das Regime ausnahmslos negativ gesehen, der bedingungslose, oft heroische Widerstand dagegen ist kaum je in Frage gestellt. Schlattners Ambiguität erscheint da glaubwürdiger, menschlicher und realistischer, was jedenfalls die Mehrheit der unfreiwilligen Opfer des Regimes angehen dürfte.Für mich ist der Roman in zweifacher Hinsicht bedeutsam. Einerseits bin ich mit den Verhältnissen im gegenwärtigen Rumänien einigermaßen vertraut, und es macht immer Spaß, Vertrautes wieder zu erkennen. Andrerseits musste ich beschämt festzustellen, daß ich gerade in der fraglichen Zeit (Mitte der Sechziger Jahre) selbst ein paar Wochen in Rumänien verbracht habe, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was gleichzeitig in den Securitate-Gefängnissen vorging. Statt dessen wurden wir westlichen Besucher wenige Kilometer von Kronstadt entfernt in idyllischer Umgebung seitens der Universität Bucharest, d. h. auf Kosten des Staates, mit reichlichen Banketten, Empfängen und Tanzereien eingelullt. Fragen in Bezug auf die ethnischen Minderheiten Rumäniens wurden in keiner einzigen Vorlesung jenes Ferienkurses auch nur eines Wortes gewürdigt. Selbst als ich einmal einen Tag lang ,,ausbrach', den Caraiman oberhalb von Predeal bestieg und den größten Teil das Tages zusammen mit einer Gruppe zufällig getroffener Banater Schwaben verbrachte, kamen solcherlei Fragen nicht zur Sprache. In ihren Augen hätte ich schließlich ein Spitzel des Regimes sein können. Wenn ich heute Schlattners Roman lese, wird mir erst klar, warum bei meiner Rückkehr nach Sinaia unsere rumänischen Betreuer so böse auf mich waren. Von ,,meinen' Banater Schwaben haben sie nie etwas erfahren.

  • Meknes
    2019-05-08 18:07

    Der Ich-Erzähler, Student der Hydrologie und Schriftsteller, gerät in die Fänge der rumänischen Staatssicherheit (Securitate). Er wird verhaftet und in das Gefängnis nach Kronstadt gebracht. Dort wird er monatelang verhört, körperlich und seelisch misshandelt. Er wird verdächtigt, als Schriftstellter und Obmann eines Litertaturzirkels,gegen das kommunistische Regime konspiriert zu haben. Er bricht unter dem Druck zusammen verrät andere Siebenbürger Literaten was zu deren Verhaftung und Verurteilung führt. Er wird schließlich wegen "Nichtanzeigen von Hochverrat" zu zwei Jahren Gefängnis verureilt und nach dem Verbüßen der Strafe entlassen.Wieder in Freiheit wird er als Verräter gebrandmarkt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Nur die Familie gibt ihm Halt ...In Rückblenden erzählt er über das Leben der Siebenbürger Sachsen vor dem 2. WK, nach dem Anschluß an Hitlerdeutschland und nach dem Einmarsch der Sowjets, und über die Repressionen, die die Sachsen nach der kommunistischen Machtergreifung erdulden mussten.Wer sich für die Geschichte der Sachsen in Rumänien interssiert, muss dieses Buch gelesen haben.Nach "Der geköpfte Hahn" der zweite Teil der Autobiografie des Eginald Schlattner. Mir gefällt dieses Buch wesentlich besser, da der Autor nicht mehr so oft auf andere Personen und Handlungen abschweift.

  • Petrus de Vinea
    2019-05-11 16:00

    Nach dem geköpften Hahn habe ich auch dieses Buch mit großer Faszination gelesen, es jedoch mit großer Erschütterung nach dem Lesen wieder in das Regal gestellt.Das Buch zeigt detailgetreu die Methoden eines totalitären Geheimdienstes und als Konsequenz daraus, wie ein Mensch dadurch beinahe vollständig zerbricht und sich erst durch Anteilnahme und die Unterstützung von Familie und Freunden langsam wieder fängt. Durch das vielfältige Wechseln der Erzählzeiträume und -schauplätze wird zudem ein Bild Rumäniens nach dem Krieg gezeichnet, in dem beispielhaft und relativ sachlich beschrieben wird, wie die damaligen totalitären Systeme Osteuropas systematisch ganze Gesellschaften ohne Rücksicht auf Verluste umbauten und im Endeffekt zerstörten.Trotz dieses erschütterden Themas gelingt es dem Autor jedoch auch hier wieder durch den Gebrauch vieler kleiner Anekdoten und Zwischengeschichten ein wunderbares Bild der Gesellschaft, der Menschen und des Landes wiederzugeben. Ein Zeitzeugnis vom Range der Atemschaukel Herta Müllers.

  • None
    2019-05-05 10:01

    Die große Nähe des Ich-Erzählers zu seiner Autobiographie macht es für viele, besonders die noch lebenden Zeitzeugen schwer, das Buch unvoreingenommen zu lesen. Zu tief sitzt die Ablehnung, die Abscheu vor dem Verrat des jungen Mannes, der in einem öffentlichen Prozess seine Autorenfreunde der Staatssicherheit auslieferte. Aber dem Autor gelingt wirklich die rückhaltlose Objektivität. Nur dadurch kommt man in den Genuß dieses ungewöhnlichen Buches, das aus der Sicht eines hochintelligenten Menschen ein äußerst farbiges Bild vom Alltagsleben in Siebenbürgen zeigt, wie es vom Kommunismus überrumpelt und vereinnahmt wird, deckt auch die ganze Fülle der Repressionen und Foltern auf, die der Erzähler ja auch am eigenen Leib erfährt. Und wir erleben ihn am Ende als Träger des Kains-Mals. Ein bewegendes, tief beeindruckendes Buch, dazu blendend erzählt aus einer manchmal lächelnden Distanz.