Read Wissenschaft und Ethik by Hans Lenk Online

wissenschaft-und-ethik

ber den Autor und weitere MitwirkendeProf Dr Hans Lenk lehrt an der Universit t Karlsruhe....

Title : Wissenschaft und Ethik
Author :
Rating :
ISBN : 3150086981
ISBN13 : 978-3150086988
Format Type : Hardback
Language : Deutsch
Publisher : Reclam, Ditzingen M rz 2001
Number of Pages : 413 Seiten
File Size : 677 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Wissenschaft und Ethik Reviews

  • Gunthard Heller
    2019-04-10 14:47

    Der Sammelband enthält 19 Aufsätze von 18 Autoren aus dem universitären Bereich, meist Professoren. Worum es geht, zeigt der Titel. Konflikte entstehen dadurch, daß Wissenschaftler, Philosophen, Juristen und Politiker verschiedene Interessen, Standards und Methoden haben. Beispiele:Hubert Markl sieht verschiedene Freiheitsgrade, je nachdem ob ein Wissenschaftler lediglich argumentiert oder ob er in die Umwelt eingreift: "Niemand kann sich auf seine Forschungsfreiheit berufen, wenn er seine Mitbürger ohne deren ausdrückliches Einverständnis ausforschen, überwachen, analysieren oder wie auch immer zum Gegenstand seines noch so wissenschaftlich begründeten Wissensdurstes machen wollte!" (S. 48)Hans Mohr fordert u.a. "intellektuelle Redlichkeit": "In der Wissenschaft darf es keine Lüge geben." Auch die verbale Ökonomie ist ihm wichtig: "es dürfen nicht mehr Worte verloren werden, als unbedingt nötig sind" (S. 81).Das Postulat der Wertfreiheit kommt immer wieder zur Sprache. Es wird ganz verschieden ausgelegt (meist als "Trennung beschreibender von vorschreibenden Aussagen"; Gerald L. Eberlein, S. 101) und eingeschränkt. Hans Mohr weist ausdrücklich auf die "Wertgebundenheit der Wissenschaft" hin (S. 82). Eberlein meint, Max Weber habe seine Forderung der Wertfreiheit nur deswegen beibehalten können, weil seine Kollegen anständig waren und noch nicht über den Bau der Atombombe diskutiert wurde. "Das Modell wertbewußter Wissenschaft geht also davon aus, daß weder in der Theorie noch in der Praxis wertfreie Wissenschaft möglich noch überhaupt wünschenswert ist. [...] Parteiische Wissenschaften haben sich weltweit ebenso blamiert wie wertfreie Wissenschaft" (S. 112). Herbert Keuth macht auf den überragenden Wert der "Wahrheit im Sinne der Übereinstimmung mit der Wirklichkeit" (Korrespondenztheorie) aufmerksam. Wer sie "ablehnte, der könnte nicht empirische Wissenschaft betreiben" (S. 119f).Auch die Problematik von Experten und Gutachtern, die sich als Interessenvertreter diskreditiert haben, ist immer wieder Thema. Hans Mohr bedauert, daß Sachkompetenz inzwischen durch Engagement und (Selbst-)Nominierung ersetzt ist. "Fundierte Sachkenntnis ist dabei eher hinderlich und wird allmählich zu einem negativen Wert" (S. 89). Heinz Maier-Leibnitz habe darauf hingewiesen, "wie unsicher fast alle politischen Entscheidungen sind, weil die rein rationale Begründung nicht ausreicht" (S. 88). "Wissenschaft ist wahrheitsfähig, Politik ist (nur) konsensfähig. Es gibt keine politische Wahrheit, es gibt nur die politische Entscheidung" (S. 91). Es gebe nur dann Vertrauen zwischen Wissenschaftlern und Politikern, wenn erstere kompetent und unbestechlich seien und letztere "sich nicht über Sachwissen und praktische Vernunft" hinwegsetzten (S. 93). Carl Friedrich von Weizsäcker geißelt "die moralische Abwertung des Gegners" in Wahlkämpfen; denn "man wird so, wie man dem Gegner vorwirft, daß er sei" (S. 96).Die Soziologen kommen an mehreren Stellen schlecht weg: "Treiben also Psychologen kaum noch mit Entsetzen und Gefühlen der Probanden Scherz, so wird dieses in Hinsicht auf Gefühle und deren Manipulation in interaktiver Forschung oder Aktionsforschung offenbar bei den Soziologen noch nicht so kritisch gesehen", monieren Hans Lenk und Matthias Maring (S. 361). Im Ethikkodex der Amerikanischen Soziologischen Vereinigung von 1989 heißt es: "Soziologen sollten ihre Stellung als professionelle Sozialwissenschaftler nicht für betrügerische Zwecke oder als Vorwand zur Sammlung geheimer Informationen für irgendeine Organisation oder Regierung mißbrauchen" (S. 391). Heinz Schuler bringt eine erschreckende Liste der Leiden von Probanden psychologischer Forscher.Am problematischsten sind die Tätigkeiten der Biologen und Mediziner (Abtreibung, Euthanasie, Gentechnik). Kurt Bayertz weist darauf hin, daß mit der Evolutionstheorie das Lebendige entmoralisiert und entwertet wurde.Eine kleine Korrektur: Auf Seite 383 muß es "in geistiger Unabhängigkeit" (statt "in günstiger Unabhängigkeit") heißen (meine Rezension bezieht sich auf die Ausgabe 1991).